Wiesbadener Labor sorgt für
Klarheit / Jeder fünfte Test fördert ein "Kuckucksei"
zu Tage
Wer sich bei Dr. Kirsten Thelen und Dr. Angelika Lösch in ihrem
"ID-Labor" im Industriepark Kalle-Albert meldet, erhält
per Post eine kleine Box. Inhalt: Sechs Wattestäbchen für
die Speichelentnahme, eine Testanleitung, ein Vertrag und drei Umschläge
mit der Aufschrift "Mutter", "Kind" und "möglicher
Vater".
Schicken sie diese Box zurück, können sich
die "Testpersonen" nach drei bis vier Tagen sicher sein.
Denn: Molekularbiologin Thelen und Biochemikerin Lösch lösen
"familiäre Unklarheiten", beanworten Vaterschaftsfragen
durch die Analyse von Speichelproben.
In der "Spucke" des Menschen befindet sich
die Erbinformation, auch DNA genannt, die bei jedem zur Hälfte
aus dem Erbgut des biologischen Vaters und zur Hälfte aus den
Erbinformationen der biologischen Mutter besteht. Soll ein Mann
also tatsächlich der Vater eines Kindes sein, muss sich auch
sein "genetischer Fingerabdruck" beim Zögling wiederfinden.
Seit 1998 geht das fünfköpfige Frauenteam
um Dr. Thelen und Dr. Lösch diesem "Fingerabdruck"
bei Erzeuger und Sprössling au fden Grund.
Mit der Idee eines Labors für DNA-Vaterschaftstests
betraten die beiden Gründerinnen Ende der 90er Jahre unternehmerisches
Neuland. In Deutschland wurden zu dieser Zeit derartige Gutachten
fast nur im Rahmen von Gerichtsverfahren und anhand von Blutabstammungstests
durchgeführt. Das ID-Labor hingegen bietet DNA-Tests für
Jedermann an - für 435 Euro werden die Speicheltests ausgewertet
- mit einer 99-prozentigen Sicherheit sind die Gutachten quasi fehlerfrei.
Dass das ID-Labor mit den Tests im gesellschaftlichen
Trend liegt, zeigt die Auftragslage: Im ersten Geschäftsjahr
führte das Labor noch runf 250 Gutachten durch, mittlerweile
klopfen jährlich etwa 3000 Interessenten an. "Vor allem
Dank Boris Becker" seien die Tests ins Bewusstsein der Öffentlichkeit
geraten, glaubt Thelen.
Dabei wollen nicht nur Väter wissen, ob in ihrem
Nest ein Kuckucksei liegt, auch Mütter sind sich oft nicht
sicher, wer der Vater ihres Kindes ist und wünschen Klarheit.
"Manchmal kommen gar die Kinder slebst, um zu erfahren, wer
ihr Erzeuger ist", berichtet Kirsten Thelen.
Durch die Gutachten soll vorhandenes Misstrauen aus
dem Weg geräumt werden, etwa "wenn das Kind dem Papa nicht
ähnlich sieht", erläutert Angelika Lösch. Natürlich
stehen auch oft Streitigkeiten um Unterhaltszahlungen dahinter,
nach dem Motto "für ein Kind, das nicht von mir ist, will
ich nicht bezahlen". "Wir sorgen für Klarheit",
fasst Lösch kurz ihren Job zusammen.
In jedem fünften Fall ist das Testergebnis übrigens
"negativ": Dann fördern die Laborantinnen ein Kuckucksei
zu Tage.
Von Viktoria Will
|