Wiesbadener Labor mit Vaterschaftstests
auf Erfolgskurs / DNA-Analyse bringt Gewissheit
Wiesbaden. Kaum hatte die Menschheit verstanden,
wie ein Kind im Leib der Mutter entsteht, stellten sich erste Männder
die spannende Frage: "Ist der oder die Kleine überhaupt
von mir?" Es folgten eine lange Zeit der Ungewissheit und die
wenig hilfreiche Erkenntnis des griechischen Philosophen Aristoteles:
"Mütter lieben ihre Kinder mehr, als Väter es tun,
weil sie sicher sein können, dass es ihre sind." Erst
die Wissenschaft brachte mit Abstammungstests ein wenig Licht ins
Dunkel. Doch die Untersuchungen waren langwierig und teuer.
Seit fünf Jahren beseitigt das Biebricher ID-Labor
im Industriepark Kalle-Albert nagende Zweifel bei Vätern und
Müttern mit vergleichsweise preiswerten, schnellen und unkomplizierten
DNA-Analysen und entwickelt sich in einem boomenden Markt prächtig.
Nicht zuletzt weil nach Schätzungen von Medizinern bis zu zehn
Prozent der Neugeborenen so genannte Kuckucks-Kinder sind - also
Kinder, deren wahrer Vater nicht ihr offizieller Vater ist. "Etwa
3000 Gutachten erstellen wir jedes Jahr, die von Privatpersonen,
Gerichten oder Daily-Talk-Shows in Auftrag gegeben werden",
berichtet Geschäftsführerin Dr. Angelika Lösch, die
das Unternehmen mit Partnerin Dr. Kirsten Thelen 1998 gegründet
hatte.
435 Euro kostet der Vaterschaftstest, der mittels
Speichelprobe Gewissheit bringen soll. Doch was treibt Eltern und
auch Kinder zu diesem schwerwiegenden Schritt? "Oft ist das
Vertrauen zerstört", weiß Lösch. Etwa wenn
die Beziehung zerbricht und die Frau aus Wut oder Verzweiflung behauptet:
"Du bist sowieso nicht der Vater", wenn es um Unterhaltsansprüche
geht oder nach einem Seitensprung, wenn der Partner dahinter kommt
und als Konsequenz alles, was vorher gewesen ist, in Frage stellt.
Einblicke in ihre Arbeit geben die Wiesbadener Unternehmensgründerinnen
am Samstag beim Tag der offenen Tür im Industriepark Kalle-Albert.
Von zehn bis 16 Uhr können Interessierte einen Blick ins Labor
werfen oder am Computer-Bildschirm DNA-Moleküle bewundern.
Einen kompletten Test lässt die Zeit jedoch nicht zu. "Das
dauert schon drei bis fünf Tage, wenn wir die Probe haben."
Von Oliver Bär
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