Nicht nur Väter: auch immer
mehr Mütter und Kinder wollen wissen, wer der Erzeuger ist
Wer der Erzeuger ihres Kindes ist, weiß Kirsten
Thelen ganz sicher. Gleichwohl hat sie einen Vaterschaftstest gemacht.
Alles andere wäre wie "ein Bäcker, der seinem Kind keine
Brötchen gibt". Die Molekularbiologin hat sich ihren Test selber
backen können: in Wiesbaden hat sie zusammen mit Angelika Lösch,
einer Biochemikerin, das ID-Labor gegründet, das auf Vaterschaftstests
spezialisiert ist.
... Aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wenden
sich verunsicherte Männer an das Labor. Oft solche, deren Frauen
im Zuge der Trennung leichtfertig geäußert haben: "Woher
willst Du wissen, dass Du der Vater unseres Kindes bist?"
Dass die Nachfrage nach Vaterschaftstests explodiert,
führt das ID-Labor zum einen auf die eigene Marketing-Strategie
zurück. Zum anderen auf den Verfall der Preise.... so hat die
moderne Biotechnologie den preiswerten Vaterschaftstest möglich
gemacht: Männer erhalten beim ID-Labor für 820 DM Gewissheit.
Diese bedeutet für jeden fünften Mann: in seinem Nest
liegt ein Kuckucksei. Das ist ein höherer Durchschnitts-Wert,
als nach wissenschaftlich fundierten Schätzungen zu erwarten
wäre. Demnach stammen in Deutschland fünf bis zehn Prozent
aller in der Ehe geborenen Kinder nicht vom Ehemann ab. Der Unterschied
erklärt sich dadurch, dass vor allem Zweifler Rat suchen beim
ID-Labor.
Zu diesen gehören nicht nur Männer. "20
Prozent unserer Kunden sind Frauen", sagt Biochemikerin Lösch.
Auch manch ein Kind will im Erwachsenenalter Klarheit darüber
haben, ob sein Papa wirklich der Vater ist (beim ID-Labor ein Anteil
zwischen fünf und zehn Prozent). In anderen Fällen ordnet
ein Gericht die Vaterschaftstests an.... Dann müssen Vater,
Mutter und Kind untersucht werden. Um jeden Fehler auszuschließen,
wird die Identität der Testpersonen von einem Amtsarzt per
Foto und Fingerabdruck bestätigt....
Die meisten Kunden (schicken) ihre Proben für
den Test per Post. "Das ist das Normale", sagt Kirsten Thelen -
ein Vaterschaftstest wie Brötchen holen beim Bäcker eben...
von Christoph Cuntz
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