Wissenschaftlerinnen machten sich
selbständig mit einem privaten Labor für "genetische Fingerabdrücke"
"Wiesbaden. Ein- oder zweieiige Zwillinge? Leiblicher
Sohn oder Erbschleicher? Der hieb- und stichfeste Nachweis verwandtschaftlicher
Beziehung ist für die Wissenschaft schon lang kein Buch mit
sieben Siegeln mehr: Mittels DNA-Analysen werden genetische Fingerabdrücke
erstellt - Erbinformationen, aus denen mit einer Sicherheit von
99,995 Prozent zu lesen ist, wie fest die Familienbande tatsächlich
geknüpft sind. ... seit ein paar Monaten gibt es in Wiesbaden
ein Privatlabor, in dem zwei junge Wissenschaftlerinnen das genetische
'Who is who' eindeutig klären.
Die beiden 34 und 37 Jahre alten promovierten Powerfrauen
Angelika Lösch und Kirsten Thelen, die ihre wissenschaftliche
Laufbahn nicht in der Marketingabteilung der Pharmaindustrie versanden
lassen wollten, gründeten im Biebricher Industriepark Kalle-Albert
ihr eigenes kleines molekularbiologisches Unternehmen: Das I.D.
Labor für DNA-Analysen. Wobei sich hinter dem I.D. "Identification
by DNA" und DNA wiederum für "Desoxyribonukleinsäure"
steht, dem chemischen Grundbaustein für die Erbsubstanz. Sie
bewiesen Mut, investierten einen sechsstelligen Betrag in einen
Genetic Analyser - ein unscheinbarer grauer Kasten, das Herzstück
des Labors - und boten ihre Dienste an: Genetische Untersuchungen,
die sie schneller und preiswerter als ihre gerichtlich bestellten
Kollegen fertigen. ...
Rechtsanwälte und Pro familia (nehmen) ihre Dienste
in Anspruch, wenn es beispielsweise gilt, Sicherheit über Vaterschaft
oder Verwandtschaft zu erlangen und damit möglicherweise einen
langwierigen oder kostspieligen Gerichtsprozeß zu vermeiden.
'Alles ganz einfach', erklären die Fachfrauen
das Verfahren. Sie benötigen für ihre Analysen lediglich
ein bißchen Körperflüssigkeit: 'Ein winziger Abstrich
beispielsweise der Mundschleimhaut mit einem sterilen Wattestäbchen
genügt.' Die Biologinnen isolieren dann die DNA aus den Zellen,
vervielfältigen bestimmte Segmente und markieren sie mit Farbstoff:
Sie ergeben ein Muster, das bei jedem Menschen unterschiedlich ist
- der genetische Fingerabdruck.
Ihr kleines Privatlabor ist gut ausgelastet, dennoch
möchten Angelika Lösch und Kirsten Thelen ihre Angebotspalette
erweitern: Kliniken und Forschungsinstituten, die sich mit zellbiologischen
und entherapeutischen Ansätzen beispielsweise bei Krebserkrankungen
oder Verbrennungen beschäftigen, wollen sie ihre DNA- fachspezifischen
Dienste offerieren. ...
'Mit solchen Dienstleistungen', sind sich die beiden
sicher, 'werden wir eine Marktnische besetzen.' "
von Margit Fehlinger
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