Zwei Biologinnen betreiben DNA-Labor in Wiesbaden
/ Existenzgründerpreis
"Die Büroeinrichtung ist noch unvollständig,
Akten und Papiere stapeln sich auf dem Fußboden. ... Trotzdem
blickt Dr. Kirsten Thelen vom Wiesbadener I.D. Labor für
DNA-Analysen optimistisch in die Zukunft. Grund für die Zuversicht
der jungen Frau mit dem auffälligen roten Haarschopf: Für
ihre Idee, ein Labor zur Identifikation von Zellkulturen mittels
DNA-Analyse zu gründen, erhielt die Biologin mit ihrer Kollegin
Dr. Angelika Lösch den Existenzgründerpreis 1999 des
Wirtschaftsmagazins 'DM'.
Die Idee, ein gemeinsames Labor zu gründen, hatte
die promovierte Biologin Thelen im November 1997. 'In der ÎÄrzte
ZeitungÌ las ich einen Bericht über ein Unternehmen,
das in den USA Vaterschaftstests anbietet. Die Idee, auch so etwas
zu machen, hat mich fasziniert, und als ich mit meiner ehemaligen
Studienkollegin Angelika darüber sprach, haben wir uns entschlossen,
es gemeinsam zu versuchen.'
Anfang dieses Jahres dann der Sprung inÌs kalte
Wasser: 'Im Januar waren wir überwiegend damit beschäftigt,
die Laborräume einzurichten', berichtet Thelen. Für etwa
200 000 DM schafften sie sich Computer, einen Genetic Analyser,
ein PCR-System, Zentrifugen, eine Flachbettgelelektrophorese und
Kühlschränke an. Die Büroeinrichtung im Wert von
25000 DM, von Sponsoren gestiftet, soll in den nächsten Tagen
eintreffen. Die Miete für die rund 110 Quadratmeter, die Infra-Serv,
der Betreiber des Industrieparks im Wiesbadener Stadtteil Biebrich,
den Jungunternehmerinnen zur Verfügung stellt, liegt dank Existenzgründerrabatts
unter 1000 DM.
'Mit unserer eigentlichen Arbeit haben wir erst im
Februar richtig beginnen können', so Thelen weiter. Sie besteht
darin, mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) 'genetische Fingerabdrücke'
zu erstellen, etwa um Verwandtschaftsbeziehungen zu verifizieren.
Über Rechtsanwälte, Familienberatungsstellen
und über den Interessenverband Unterhalt- und Familienrecht
haben die beiden jungen Frauen auf ihr Unternehmen aufmerksam gemacht.
'In den ersten Wochen haben wir schon ungefähr 20 Aufträge
zur Feststellung der Vaterschaft erhalten', erzählt Thelen.
Bis auf einmal war der vermeintliche Vater auch tatsächlich
immer der leibliche Vater. Thelen vermutet, daß sich ihre
Ergebnisse mit der Statistik decken, die besagt, daß etwa
jeder achte bis zehnte Getestete nicht der biologische Vater seines
Kindes ist. Das besondere am Angebot des Labors: Die Gesellschaft
bietet ihre Dienste vor allem Eltern an, die einen Vaterschaftstest
freiwillig, also ohne Gerichtsbeschluß machen lassen wollen.
Daß Vater und/oder Mutter sowie das Kind für den Test
persönlich im Labor erscheinen, sei nicht nötig. Thelen:
'Wir schicken das nötige Material für den Mundschleimhautabstrich
auf Wunsch per Post zu.' ... 'Der angebotene Test ist daher auch
nicht rechtsverbindlich im Sinne eines Vaterschaftsgutachtens',
betont Thelen. ...
Mycoplasmentests im Auftrag wissenschaftlicher Institute
sind das zweite Standbein, auf dem das junge Unternehmen bislang
steht. Das Spektrum der Leistungen, das die jungen Frauen anbieten,
ist aber weitaus größer: Abgleich genetischer Fingerabdrücke
von Zellinien mit sogenannten ATCC- oder ECACC-Stocks, Identifikation
von Kontaminationen mit Fremdspezies, Präparation von Ribonukleinsäuren
(RNA) und RNA-PCR und Sequenzierung von Doppelstrang-Desoxyribonukleinsäure
(dsDNA)."
von Petra Spielberg
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