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Gericht bestätigt Arbeit des Presserats
Pressemitteilung des Deutschen Presserats vom 25. Juli 2006

"Öko-Test" verstößt gegen Pressekodex - Deutscher Presserat spricht Missbilligung aus

 

Pressestimmen

Anmerkung: Bei den nachfolgenden Beiträgen handelt es sich um Zitate, für deren Inhalt die ID-Labor GmbH nicht verantwortlich ist.

Gutachter in eigener Sache
Süddeutsche Zeitung vom 11. März 2004

Den Bock zum Gärtner gemacht
Laborjournal 03/2004

 

Stellungnahme

Stellungnahme zu dem Testbericht des Magazins Öko-Test hinsichtlich DNA-Vaterschaftstests in der Ausgabe 11/2003
November 2003

 
 
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Gericht bestätigt Arbeit des Presserats
Pressemitteilung des Deutschen Presserats vom 25. Juli 2006

Das Oberlandesgericht Köln hat in einem jetzt überreichten Urteil vom 11. Juli 2006 klargestellt, dass der Presserat Verlage missbilligen und auf journalistische Sorgfaltsverstöße hinweisen darf. [...]

Der Öko-Test-Verlag hatte sich gegen eine vom Presserat im Jahre 2004 gegen ihn ausgesprochene Missbilligung wegen Verstoß gegen den Pressekodex gewehrt. Anlass lieferte eine Berichterstattung über Vaterschaftstests. Das Oberlandesgericht stellte jetzt nach dem Landgericht Bonn in zweiter Instanz klar, dass die Klage bereits deshalb unbegründet war, weil es sich bei den Bewertungen des Beschwerdeausschusses offensichtlich und inhaltlich um eine Meinungsäußerung handelt. Auch die tatsächlichen Annahmen, auf denen die Missbilligungsentscheidung des Deutschen Presserates beruhte, erschienen dem Gericht zutreffend. [...]

 
top "Öko-Test" verstößt gegen Pressekodex - Deutscher Presserat spricht Missbilligung aus

Auf ihrer Sitzung am 15.06.2004 befasste sich die Beschwerdekammer des Deutschen Presserates mit einer Beschwerde der ID-Labor GmbH. Das Unternehmen hatte sich über Berichterstattung und Testpraktiken in der Ausgabe Nr. 11/2003 des Magazins "Öko-Test" beschwert (s.Stellungnahme).

Die Kammer war der Ansicht, dass "Öko-Test" mit der Veröffentlichung des Beitrages "Auf Spurensuche" in der Ausgabe Nr. 11/2003 gegen die Ziffer 2 des Pressekodex verstoßen hat. In der Veröffentlichung wird über einen Test von Laboren berichtet, die Abstammungsgutachten anfertigen. Dabei wurden die von den Instituten erstellten Gutachten von Dr. Jürgen Henke, Laborleiter und Gesellschafter eines Konkurrenzunternehmens in Köln sowie Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Sachverständigen für Abstammungsgutachten, bewertet.

Nach Meinung des Gremiums wurde durch die Berichterstattung die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt, da aus ihr nicht hervorgeht, warum ausschließlich Labore getestet wurden, die nicht der Interessensgemeinschaft angehören, der Herr Dr. Henke vorsteht. Es wäre notwendig gewesen, den Leser darüber zu informieren, nach welchen Kriterien die getesteten Institute ausgewählt wurden.

Die Beschwerdekammer hielt den Verstoß gegen die Ziffer 2 des Pressekodex für so schwerwiegend, dass sie gemäß § 12 Beschwerdeordnung die Maßnahme der Missbilligung wählte. Nach § 15 Beschwerdeordnung besteht zwar keine Pflicht, Missbilligungen in den betroffenen Publikationsorganen abzudrucken. Als Ausdruck fairer Berichterstattung empfiehlt der Beschwerdeausschuss jedoch eine solche redaktionelle Entscheidung.

Pressekodex Ziffer 2:
Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Dokumente müssen sinngetreu wiedergegeben werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.

 
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Gutachter in eigener Sache
Süddeutsche Zeitung vom 11. März 2004

Die vernichtende Bewertung einiger Vaterschaftstests durch das Magazin "Ökotest" könnte ungeprüften Konkurrenzlabors Vorteile verschaffen

von Winfried Köppelle

Zu heimlichen Vaterschaftstests hat Brigitte Zypries eine klare Meinung: Sie müssen verboten werden. Zwar hatte das Landgericht München im Juli 2003 zweifelnden Vätern ausdrücklich erlaubt, die Abstammung ihrer vermeintlichen Sprösslinge notfalls auch ohne Zustimmung der Mutter testen zu lassen. Doch damit soll nach Ansicht der Bundesministerin für Justiz bald Schluss sein: Spätestens Ende des Jahres soll der Entwurf des neuen Gendiagnostikgesetzes vorliegen, eines Gesetzes, das gleichzeitig den Zugang zu einem äußerst lukrativen Markt regeln wird. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 50 000 Vaterschaftstests für mehr als 40 Millionen Euro in Auftrag gegeben. Ein weitaus größeres Marktpotential haben Gen-Analysen, die Erbkrankheiten nachweisen sollen. Mehr als 1500 dieser Tests gibt es bereits. Laut einer aktuellen Studie der Europäischen Union wird der europaweite Umsatz in der DNS-Analytik schon in wenigen Jahren eine Milliarde Euro überschreiten.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Beitrag des Magazins Ökotest an Brisanz, der in den Ausgaben 11 und 12 des vergangenen Jahres erschienen ist. Nach Recherchen der Zeitschrift Laborjournal wird darin einseitig eine Gruppe von Testlabors kritisiert, die in direkter Konkurrenz zu dem Kölner Abstammungsgutachter Jürgen Henke stehen. Diesen wiederum hatte Ökotest als Prüfer beschäftigt. Zehn von elf beauftragten Labors würden bei Vaterschaftstests "schlampig" arbeiten, "haarsträubende" Ergebnisse abliefern und hätten "mit seriöser wissenschaftlicher Analyse nichts zu tun", schrieb das Magazin und verteilte zehn Mal die schlechteste Testnote "ungenügend", dazu ein einziges "befriedigend". Im parallel veröffentlichten Interview informierte Henke, wie man die - scheinbar schlechte - Qualität von Vaterschafts-Testlaboren verbessern könnte. Henke sei, so Ökotest, "an seriösen Vaterschaftstests interessiert".

Nicht erwähnt wurde, dass Henke, der den Test im Ökotest-Auftrag machte und auswertete, selbst ein privates Labor betreibt und sein Geld ebenfalls mit Vaterschaftsanalysen verdient. Zugleich ist Henke Vorsitzender des Bundesverbandes der Sachverständigen für Abstammungsgutachten e.V. (BVSA) - einer 1994 gegründeten, exklusiven Vereinigung alteingesessener Stammbaum-Genetiker. Mitglieder dieses Verbands blieben im Test außen vor. Das sei, wie Ökotest-Chefredakteur Jürgen Stellpflug auf Anfrage mitteilte, durchaus so beabsichtigt gewesen: "Unser Test zielte klar auf die Labors ab, die anonyme Tests anbieten" - BVSA-Labore täten das nicht. Parallel dazu wetterte Testleiter Henke im Ökotest-Interview über "unmoralische heimliche Vaterschaftstests".

Tatsache jedoch ist, dass auch manche BVSA-Labore anonyme Vaterschaftsanalysen ermöglichen. Selbst der stellvertretende BVSA-Vorsitzende, Henkes Vorstandskollege Wolfgang Martin, verkauft auf der Webseite seiner Firma den "S*Test zum Selbermachen" für 475 Euro. Dies hätte laut Ökotest-Bewertungsschlüssel dazu geführt, dass das Labor automatisch um zwei Noten abgewertet würde - eine moralische Vorausscheidung sozusagen. Mehr als ein "befriedigend" hätten die Kandidaten somit nicht erreichen können.

Getestet wurde aber keines der knapp 80 BVSA-Labore, dafür 11 der etwa 20 Nicht-BVSA-Labore. Dass diese nur schlampige Vaterschaftsanalysen abliefern würden, ist unglaubhaft: Labors wie die von Ökotest mit "ungenügend" bewerteten Humatrix (Fankfurt), ID-Lab (Wiesbaden), DNA Genetics (Bad Bramstedt) oder BJ Diagnostik unterwerfen sich regelmäßig der derzeit strengsten Qualitätssicherungsmaßnahme für Abstammungsgutachter: den freiwilligen GEDNAP-Ringversuchen der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin. Carsten Hohoff vom Rechtsmedizinischem Institut der Universität Münster ist Mitorganisator dieser Zertifizierungsinitiative. Er kritisiert die vorsätzlich unwahren Angaben, die Ökotest zur Herkunft der DNS-Proben machte: "Ein Labor glaubt natürlich erst einmal dem Auftraggeber. Wenn dieser jedoch falsche Informationen abgibt, hat man es selbst als korrekt arbeitender Wissenschaftler schwer."

In der Untersuchung hatte Ökotest zwei Vaterschafts-Konstellationen prüfen lassen - zum einen eine tatsächliche Vater-Kind-Paarung, die alle elf Labore auch richtig herausfanden. Als zweite Variante deklarierte Ökotest jedoch die DNS zweier Brüder als "Vater-Kind-Paarung". Laut Henke hätte "jeder Wissenschaftler erkennen müssen, dass die beiden Brüder nicht Vater und Sohn sein konnten." Forensik-Fachmann Hohoff ist anderer Meinung: "Diese Aussage halte ich zumindest für problematisch, weil sich die Allele der beiden Brüder so ungewöhnlich ähnlich waren."

Selbst einer der erfahrensten und renommiertesten deutschen Abstammungswissenschaftler, der Bonner Mathematik-Professor Max Baur, wurde von Henke indirekt mit "ungenügend" beurteilt. Baur, Direktor des Instituts für Biometrie der Universität Bonn gilt als internationale Kapazität und hat die Spezialsoftware entwickelt, mit der die meisten deutschen Abstammungsgutachter ihre Expertisen erstellen. Im Testbericht bekam nun die von Baur beratene Firma IMMD ein "ungenügend" verpasst. Baur teilt dazu mit, das von IMMD vorgelegte Ergebnis sei "perfekt richtig" gewesen und kritisiert das Vorgehen von Ökotest scharf: "Die Auswahl der zu testenden Labore, die Test-Fragestellungen sowie die Bewertungskriterien sind nicht wissenschaftlich und unseriös. Wer so vorgeht, disqualifiziert sich selber." Zudem habe laut Baur der Auftraggeber - also Ökotest - unterschrieben, dass die DNS des Kindes mit Wissen der Mutter genommen worden sei. In der Ökotest-Auswertung wird daraus "IMMD: Keine Zustimmung der Mutter erforderlich".

Dass Testleiter Henke dann sogar Dinge nachrechnete, die Aussenstehende gar nicht nachrechnen können, ist ein weiteres, ungelöstes Rätsel des umstrittenen Ökotest-Berichts: In fünf Fällen hätten die getesteten Labore die von ihnen angegebenen Vaterschaftswahrscheinlichkeiten falsch ausgerechnet, ist aus der Ergebnistabelle zu erfahren. Zu deren Ermittlung verwenden Vaterschaftsgutachter einen Pool an Populationsdaten, im Fachjargon als "Allelfrequenzen" bezeichnet.

"Jeder Nutzer kann unsere Daten verwenden, wie er mag", betont jedoch der Düsseldorfer Anthropologe Hans-Georg Scheil, der die weltgrößte Datenbank für menschliche STR-Allelfrequenzen betreut. Da Henke als externer Beobachter nicht wissen konnte, welche speziellen Populationsdaten die einzelnen Labore für ihre Berechnungen verwenden, ist seine Kontrollrechnung mathematisch unmöglich. Dazu, wie auch zu den anderen Ungereimtheiten, wollte Jürgen Henke trotz mehrfacher Bitte keine Stellungnahme abgeben.

Winfried Köppelle ist Redakteur des Freiburger Wissenschaftsmagazins "Laborjournal", das in seiner aktuellen Ausgabe ausführlich über die Bewertung von Vaterschaftstests berichtet.

 
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Den Bock zum Gärtner gemacht
Laborjournal 03/2004

Vaterschafts-Tests: "Ökotest"-Experte lässt die Konkurrenz durchrasseln

Um sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu schaffen, wird unter den Anbietern kommerzieller Vaterschaftstests mit harten Bandagen gekämpft. Zunehmend werden auch die Medien eingespannt. In der Novemberausgabe 2003 der Zeitschrift "Ökotest" etwa wurden zehn von elf überprüften Laboren mit "ungenügend" bewertet. Seltsam nur, dass der unparteiische Ökotest-Experte selbst ein Vaterschafts-Testlabor betreibt und somit ein direkter Konkurrent der durchgefallenen Testteilnehmer ist. Seltsam auch, dass er bei der Testauswertung eine Menge seltsamer Fehler gemacht hat.

Das Ergebnis des Seitensprungs war dem Erzeuger wie aus dem Gesicht geschnitten: "Die Expertin prüfte die Hautfarbe, die Merkmale der Augenbrauen, Farbe und Struktur der Iris, die Merkmale der Augengegend, der Nase, der Mundgegend und des Gesichtes, die Kopfform, den Bau der Ohren, Hände und Füsse sowie die Papillarlinien der Hände und Füsse." Das war 1958, und das Gutachten der sachverständigen Erbbiologin kam zu dem Schluss: "Nach den Ergebnissen der anthropologisch erbbiologischen Untersuchung ist die Vaterschaft des Beklagten mit dem höchsten Grade der Wahrscheinlichkeit anzunehmen." Den seitenspringenden Vater, einen braven Baseler Familienvater, sollte der kurze Spass mit einer flotten Serviererin insgesamt 24.780 Schweizer Franken an Alimenten kosten.

Nasenflügeldicken passé In heutige Kaufkraft umgerechnet entspricht das 62 000 Euro. Verständlich, dass sich zweifelnde Väter gegen unberechtigte Ansprüche absichern, andererseits aber auch viele Mütter ihre berechtigten Forderungen nachweisen wollen. Heutige Vaterschaftstester vergleichen keine Nasenflügelwanddicken mehr. Dank der DNA-Analysetechnik ("genetischer Fingerabdruck") sind moderne Vaterschaftsgutachten schneller, genauer und billiger als noch vor wenigen Jahren. Die Erbsubstanz weniger Körperzellen, etwa aus der Mundschleimhaut, reicht aus, um mittels gängiger molekulargenetischer Techniken (PCR, Elektrophorese, Fluoreszenz-Detektion) eindeutige Aussagen über das Verwandtschaftsverhältnis zu treffen [...]. Das Geschäft brummt. Anscheinend ist derzeit die halbe Republik dabei, die eigenen Short Tandem Repeats (STRs) und die der Sprösslinge auf Stimmigkeit überprüfen zu lassen - allein 2003 wurden in Deutschland etwa 50 000 Vaterschaftstests in Auftrag gegeben. Laut zuverlässigen Quellen sind weit über 20 Prozent der Auftraggeber Frauen.

Ökotest enthüllt Erschütterndes Im November vergangenen Jahres schlug jemand, der sonst eher naturtrüben Apfelsaft oder milbendichte Matratzenbezüge prüft, Alarm: Die Zeitschrift "Ökotest" untersuchte die Qualität der Vaterschaftsgutachten deutscher Labore und erhielt, so der O-Ton, den "erschütternden Beweis: Auch ein DNA-Vaterschaftstest bringt keine Sicherheit." Soweit "Ökotest". Wie war das Ganze abgelaufen? Die Ökotester hatten - natürlich verdeckt - im Juli 2003 bei den elf zu testenden Laboren die jeweiligen Utensilien für die (selbständige) Probennahme angefordert und die per Mundschleimhaut-Abstrich beprobten Wattestäbchen an die jeweiligen Labore zurückgeschickt. Zwei Konstellationen wollte "Ökotest" prüfen: Paar 1 war ein tatsächlicher Vater und sein Kind, Paar 2 war der "Ökotest"-Chefredakteur Jürgen Stellpflug und sein jüngerer Bruder. Die laut "Ökotest" nach einigen Wochen Wartezeit erhaltenen Vaterschaftsgutachten waren dann, so empörte sich die Zeitschrift, "haarsträubend" und hätten "mit seriöser wissenschaftlicher Analyse nichts zu tun". Konsequenz: Zehn der elf Labore erhielten die schlechteste Testnote "Ungenügend", eines schaffte ein "Befriedigend". Parallel dazu rauschte helle Empörung durch den deutschen Blätterwald über die "schlampig arbeitenden Abzocker-Labore". Lediglich gerichtsmedizinische Insider horchten auf, als sie den Namen des für die Testdurchführung Verantwortlichen in der "Ökotest"-November-Ausgabe lasen: Dr. Jürgen Henke, Laborleiter eines privaten Instituts für Blutgruppenforschung in Köln. Zugleich ist Henke Vorsitzender der "Interessengemeinschaft der Sachverständigen für Abstammungsgutachten" (IGSA) - ein 1994 in Frankfurt gegründeter, privater Club alteingesessener Stammbaum-Genetiker.

McDonalds testet Burger-King? Henkes Institut befasse sich "seit gut sechs Jahrzehnten mit Genetik", würdigt "Ökotest" den für die Testauswertung angeheuerten Experten, und sei "an seriösen Vaterschaftstests interessiert". Dass der Kölner unter Umständen befangen sein könnte, ja gar Interesse daran haben könnte, die im Ökotest fast vollständig versammelte Konkurrenz herabzusetzen, kommt Chefredakteur Stellpflug nicht in den Sinn [...]. Zwar verkauft Henke seit vielen Jahren und in großem Maßstab Vaterschaftsgutachten, doch um befangen zu sein, müsste Henke in der Auswertung schon etwas falsch gemacht haben. "Und das hat er nicht", so der Chefredakteur. Kann also die Firma McDonalds wirklich objektiv die Güte von Burgerking-Buletten begutachten, ist es unproblematisch, wenn ein Vaterschaftstester für eine Zeitschrift die Testkriterien vorgibt, anhand derer er über seine Konkurrenten urteilt?

Vorgeschichte: IGSA und BVSA Jürgen Henke ist in der Szene kein Unbekannter. Der Leiter des privaten "Instituts für Blutgruppenforschung GbR" (Köln/Düsseldorf) erkannte früh die kommerziellen Möglichkeiten privat angebotener Vaterschaftstests. Jahrelang hatte Henkes Großlabor die rheinischen Familien- und Strafgerichte mit Abstammungsgutachten versorgt, als einer der ersten bot er seine Dienste deutschlandweit auch Privatleuten an. Bis hinein in die 90er Jahre gab es hierzulande nur wenige Spezialisten - zumeist Gerichtsmediziner - die langwierig aus Blutmerkmalen (Oberflächen-Antigene etc.) Stammbäume und Genotypen herleiteten und damit untreue Väter und Mütter überführten. Eine Goldgrube ohne jegliche Konkurrenz: Für ein derartiges Gutachten verlangten die Herren damals zwischen 2500 und 5000 Euro. Um sich nicht gegenseitig ins Gehege zu kommen, gründeten die Blutgruppen-Sachverständigen 1994 einen exklusiven Verein: die erwähnte IGSA. Unter anderem will diese "die Interessen der Mitglieder bei der Abfassung von Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und sonstigen Bestimmungen, die Abstammungsgutachten betreffen", vertreten (IGSA-Satzung, § 2, II). Die in der IGSA organisierten 78 Labore teilten fortan den deutschen Kuchen für Vaterschaftstests unter sich auf. Dieser wird auf 40 Millionen Euro jährlich geschätzt. Zutritt zum Club erhält nur, wer "durch zwei andere Mitglieder vorgeschlagen wurde. Ein Anspruch auf Aufnahme besteht nicht." (§ 4, I). Henke ist Vorsitzender dieser Lobbyistenvereinigung, die sich kürzlich die offizieller klingende Bezeichnung "Bundesverband" (BVSA) verlieh. Ende der 90er Jahre jedoch begannen zunehmend fremde Angler im Typisierungs-Teich von Henkes Interessengemeinschaft zu fischen. Eine neue, einfachere Technologie namens STR-Typisierung ist inzwischen verlässlich und erprobt, automatische DNA-Sequenziermaschinen sind bezahlbar, und Deutschlands Universitäten brachten gerade in den letzten Jahren gut ausgebildete Molekularbiologen und Genetiker hervor. Mehrere davon gründeten kurzentschlossen ihre eigene Firma und boten Vaterschaftstests wesentlich billiger an. Das drückte die Profite der bisherigen IGSA- (BVSA-) Platzhirsche.

Im Juli: Ein Gutachter verliert einen Prozess Mit Henke scheint nicht gut Kirschen essen zu sein - unliebsame Geschäftsgegner zerrt er schon mal vor den Kadi. Zuletzt im Juli 2003: Dem Konkurrenten Genedia versuchte er vor dem Münchner Landgericht anonyme Vaterschaftstests - das Hauptgeschäft der unabhängigen Konkurrenz - verbieten zu lassen. Doch der Schuss ging für Kläger Henke nach hinten los: Laut dem Urteilsspruch "sind Vaterschaftsbegutachtungen auch ohne ausdrückliche Zustimmung der Mutter rechtens, denn ein heimlicher Abstammungstest sei für das Wohl des Kindes weniger schwerwiegend als die gesetzlich zulässige gerichtlich erzwungene Klärung der Vaterschaft". Die unabhängige Konkurrenz darf also seitdem mit richterlichem Segen auch anonyme Fälle prüfen.

Im November in Ökotest: Die Konkurrenz ist "ungenügend" Drei Monate später meldete "Ökotest" unter dem Testleiter Jürgen Henke "schockierende Ergebnisse": Die Vaterschaftstests der elf getesteten unabhängigen Privatlabore seien "höchst ungenau" und hätten "mit seriöser wissenschaftlicher Analyse nichts zu tun". Hier drängt sich die Frage auf: Wie gut arbeiten denn die 78 in der BVSA organisierten Labore? Warum wurde bei "Ökotest" kein einziges Mitglied aus Henkes Interessensverband getestet? Laut Chefredakteur Jürgen Stellpflug läge das daran, dass die BVSA-Labore ja gemäß den "Richtlinien für die Erstattung von Abstammungsrichtlinien" der Bundesärztekammer (BÄK) gar keine anonymen Tests durchführen würden - "diese hätten daher die im Ökotest eingebauten Fallstricke bemerkt" [...]. "Ökotest"-Experte Henke wettert parallel dazu im "Ökotest"-Interview über "unmoralische heimliche Vaterschaftstests". Tatsache ist, dass einige BVSA-Labore sehr wohl anonyme Vaterschaftstests durchführen. Selbst der stellvertretende Vorsitzende(!) der BVSA, Henkes Vorstandskollege Wolfgang Martin vom Institut für Blutgruppenserologie und Genetik (Hamburg), testet bar jeder Identitätsfeststellung.

Wenn zwei das Gleiche tun ... Auf seiner Website [...] bietet Wolfgang Martin den "S*Test zum Selbermachen" für 475 Euro an: "Sie [der Kunde] organisieren die Probenentnahme und führen diese durch". Und weiter: "Namen stehen im Testbericht natürlich keine, denn die Proben haben Sie ja selbst entnommen, deren Identität können wir nicht prüfen." Die Mutter braucht das BVSA-Vorstandsmitglied auch nicht dazu: "Die [...] Anfertigung eines Abstrichs bei der Mutter [...] ist nicht unbedingt erforderlich." Die Anonymität ist nicht die einzige Richtlinie, gegen die BVSA-Labore verstossen: Nach den BÄK-Bestimmungen von 1996 müssen in einem Abstammungsgutachten für jede Person "mindestens 10 STR-Loci mit unabhängigem Erbgang untersucht werden, um eine kombinierte Vaterschafts- Ausschluss-Chance von mindestens 99,99 Prozent zu erreichen". Diese qualitative Minimalanforderung (seit März 2002 müssen es sogar mindestens 12 Loci sein) übertreffen alle der in "Ökotest" geprüften, unabhängigen Labore. Laborjournal liegt jedoch das Privatgutachten eines renommierten BVSA-Labors vor, in dem bei Vater, Mutter und Kind nur je neun(!) Loci untersucht wurden. Im von Jürgen Henke durchgeführten Ökotest konnten die (Nicht-BVSA)-Labore per definitionem nicht mehr die Noten "Gut" oder "Sehr gut" erreichen: Anonyme Tests seien unethisch, befand die Zeitschrift, und führten deshalb zur automatischen Abwertung um zwei Noten. Dass viele BVSA-Labore ebenfalls gegen die von ihrem Vorsitzenden Henke eingeforderten BÄK-Richtlinien verstossen, wird in "Ökotest" nicht erwähnt: Die wurden ja nicht getestet.

BVSA-Labore dürfen mehr ... Doch der vom BVSA-Vorsitzenden überwachte Ökotest treibt in punkto Testauswertung noch viel seltsamere Blüten. Trotz der unüberwindbaren Hürde "ethisches Wohlverhalten" hätte Henkes Konkurrenz ja noch die Chance gehabt, bei korrekter Laborarbeit zumindest mit einem "Befriedigend" davonzukommen. Eine saubere Typisierung, eine astreine Berechnung der Vaterschaftswahrscheinlichkeiten, und die unabhängigen Labore wären unter Umständen sogar als heimliche Gewinner aus dem Test hervorgegangen. Doch laut "Ökotest"-Ergebnis arbeiteten die meisten Labore dermaßen (Zitat) "schlampig", dass spätestens nach der Auswertung der von ihnen erzielten Typisierungsergebnisse (also der ermittelten Länge der STR-Loci der von "Ökotest" übersandten Proben) die meisten endgültig das Testziel nicht erreichten. So etwa bemängelte Henke bei vielen Laboren eine inkorrekte DNA-Typisierung. [...] BJs korrektes Verhalten, bei "Ökotest"/Henke nach einer weiteren Probe (der Mutter) zu fragen, um das Ergebnis verifizieren zu können, wurde als "inkorrekte" Typisierung gewertet, was nach den selbst erdachten Testkriterien die Abwertung um satte vier Stufen und somit die Testnote "Ungenügend" auch für BJ Diagnostik bedeutete.

Korrekte Gutachten - Testnote "Ungenügend" Dass ferner korrekte Gutachten scheinbar nicht oder nur teilweise gelesen wurden, passt ins schräge Bild: Laborjournal liegt eines der für den Ökotest erstellten Gutachten vor. In diesem steht als abschließendes Fazit des testenden Labors: "Aufgrund des vorliegenden Untersuchungsergebnisses [...] ist es praktisch erwiesen, dass Herr Rainer Stellpflug eine nahe Verwandtschaft zum untersuchten Kind aufweist." Rainer ist der eingangs erwähnte Bruder vom "Ökotest"-Chefredakteur, somit könnte man gegen diesen korrekten Untersuchungsbefund eigentlich nichts einwenden. "Ökotest"/Henke jedoch können das schon: In der Ergebnistabelle auf Seite 72 der "Ökotest"-Novemberausgabe 2003 erfährt der Leser über eben dieses Labor: "Aussage des Gutachtens korrekt bei Bruder und Bruder? Nein." Da ein "falsches" Gutachten laut Testkriterien automatisch zu einer Abwertung um fünf Stufen führt, lautet die Gesamtnote somit auch hier: "Ungenügend." Frank Pfannenschmid vom Regensburger Labor DelphiSeq, einem der betroffenen Labore: "Henke hat unser Gutachten falsch gelesen - warum wohl?" Max Baur, der zu den Topleuten der deutschen Abstammungsforscher zählt und als Berater das "ungenügende" Gutachten der Firma IMMD mit unterschrieb, machte ähnliche Erfahrungen: "Bei uns war das Ergebnis zweimal perfekt richtig. Wenn das jemand trotzdem "Ungenügend" nennt, disqualifiziert er sich selber." - Doch es kommt noch besser ...

Mathematik light by "Ökotest" Was in diesem Ökotest vielleicht am frappierendsten auffiel: Der ausgewiesene Experte Jürgen Henke berechnete Dinge, die er mathematisch gar nicht berechnen konnte. Dazu muss man wissen: Die meisten Vaterschaftstester verwenden für ihre Wahrscheinlichkeits-Berechnungen Populationsdaten der Universität Düsseldorf (dort existiert die weltweit kompletteste Datenbank; [...]). Allerdings wissen Aussenstehende natürlich nicht, welche Datensätze bzw. Allelhäufigkeiten ein Labor für einen konkreten Fall zugrunde legt. Je nach Einzelfall ziehen die einen z. B. für ein bestimmtes Allel die bisher bekannten Häufigkeiten für Süddeutschland heran; genauso könnte man aber auch jene z. B. für Mitteleuropa verwenden. Der Düsseldorfer Anthropologe Hans-Georg Scheil: "Jeder Nutzer kann unsere Daten so anwenden, wie er will." [...] Henke jedoch rechnete die Ergebnisse der elf ökogetesteten Labore nach und kam in vier Fällen zum Ergebnis, diese lägen falsch. Ja, sie lesen richtig: Da wurden Gleichungen mit ziemlich vielen (einigen tausend) Unbekannten "nachgerechnet" und für "falsch" erklärt. Konsequenz: Testnote "Ungenügend". Frank Pfannenschmid von DelphiSeq wundert sich: "Henke wusste doch nicht einmal, welche Statistik und welche Formeln die einzelnen Labore verwendet haben. Er konnte gar nichts nachrechnen - mathematisch unmöglich."

Pikantes Detail zum Schluss Ein pikantes Detail zum Schluss: In diesem so penibel präparierten Ökotest wurde doch ein BVSA-Labor getestet, obwohl laut Chefredakteur Stellpflug ja genau das nicht passieren konnte: Die Anlage des Tests lasse es gar nicht zu, dass auch BVSA-Labore getestet würden. Diese würden ja keine anonymen Proben akzeptieren. Doch das Nicht-BVSA-Labor "Bioanalytische Laboratorien Woltersdorf" analysierte nicht selber, sondern schickte die verdeckten "Ökotest"-Proben ans BVSA-Labor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Würzburg weiter. Dieses untersuchte anonym, begutachtete - und bekam von Henke für seine Leistung das Testurteil "Ungenügend" verpasst.

Zahlreiche Ungereimtheiten beim Ökotest: Warum testeten "Ökotest" und der BVSA-Vorsitzende ausschließlich Konkurrenzlabore? Warum wurden die Gutachten falsch gelesen? Und warum dürfen die nicht getesteten BVSA-Labore gegen Richtlinien verstossen, die getesteten Nicht-BVSA Labore jedoch nicht?

Stellungnahme von Max Baur (Sachverständiger für statistische Abstammungsbegutachtung, Uni Bonn) "Fadenscheinig, unseriös." Der Direktor des Bonner Uni-Instituts für Biometrie ist einer der erfahrensten deutschen Abstammungswissenschaftler und hat in mehr als 30 Jahren über 50.000 Gutachten erstellt. Die von ihm entwickelte Spezial-Software für Abstammungsanalysen ist in der Branche Standard. Den habilitierten Mathematiker Baur fragen deutsche Vaterschaftsgutachter (auch die meisten BVSA-Gutachter) um Rat, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen. "Ich halte wirklich viel davon, in der Abstammungsbegutachtung sehr hohe Standards zu setzen (Akkreditierung, regelmäßige externe Überprüfung des gesamten Qualitätsmanagement-Systems, interne/externe Qualitätssicherung, etc.). Wovon ich nichts halte, sind fadenscheinige Argumentationen für Vorgehensweisen, die in der internationalen Abstammungsbegutachtung längst nicht mehr aufrecht erhalten werden und auch in Deutschland nicht mehr befolgt oder umgangen werden. Die Vorgehensweise in "Ökotest" halte ich für nicht wissenschaftlich und unseriös. Wer so vorgeht, disqualifiziert sich selber."

Kommentar:
Subtile Einflussnahme
Es ist schon seltsam: Da stellt sich ein erfahrener Fachmann für den hanebüchenen Test eines allem Anschein nach überforderten Testmagazins zur Verfügung. Er verbreitet darin haarsträubenden Unsinn, lässt die eigene Konkurrenz aus nicht nachvollziehbaren Gründen fast komplett durchrasseln und demoliert mit einer derart dreisten Vorgehensweise nebenbei auch den eigenen, bisher zumindest wissenschaftlich einwandfreien Ruf. Was hat Jürgen Henke getrieben, sich auf so etwas einzulassen? Wir wissen es nicht. Betrachtet man die Angelegenheit jedoch angesichts der Tatsache, dass im Millionengeschäft "Abstammungstests" mittlerweile ein erbitterter Konkurrenzkampf tobt, vergegenwärtigt man sich ferner die Tatsache, dass aus dem Kreis der 78 BVSA-Labore kein einziger der ehrwürdigen Abstammungsmediziner gegen das Henkesche Vorgehen protestiert hat, so lassen sich zumindest einige Schlüsse ziehen. Etwa der, dass sich die neuerdings von unangenehm befähigten Wettbewerbern herausgeforderte, alteingesessene Gutachterszene sehr, sehr sicher sein muss. Sicher worüber? Nun, demnächst wird der Deutsche Bundestag in Berlin darüber entscheiden, wer in Deutschland künftig Gen- und Vaterschaftstests anbieten darf ("Gendiagnostikgesetz"). Das Justizministerin Brigitte Zypries besonders am Herzen liegende Gesetz wird streng sein, soviel gilt als sicher. Und nun raten Sie mal: Wem werden die politischen Entscheider exklusiv erlauben, auch künftig derartige Untersuchungen durchzuführen, und wem werden sie es verbieten - nachdem das erwähnte Testmagazin nun "die schockierende Wahrheit" ans Tageslicht brachte? Sie denken: Ach wo! - nach einem tendenziösen Test kräht doch in einigen Wochen kein Hahn mehr? Na, der Bundesverband der Sachverständigen für Abstammungsgutachten (BVSA) wird die politischen Entscheider schon nachdrücklich an die miesen Testergebnisse der unabhängigen Labore erinnern, wenn’s demnächst dann ernst wird in Berlin mit der Erlaubniserteilung zum Testen. Welcher Politiker durchschaut denn schon das seltsame Zustandekommen eines Ökotests? In naher Zukunft jedenfalls, da verwette ich glatt meine Lieblingstasse samt Jahresfüllung, wird der feine BVSA-Club den lukrativen 40 Millionen-Euro-Kuchen wieder unter sich aufteilen.

von Winni Köppelle

 
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Stellungnahme
November 2003

"Heimliche Vaterschaftstests sind unmoralisch" - Nachdem laut eines Urteils des Landgerichts München I nun entschieden wurde, dass die Erstellung von Vaterschaftsgutachten auch ohne ausdrückliche Zustimmung der Mutter keine wettbewerbswidrige Handlung darstellt, mussten sich die Gegner der privaten und unbürokratischen Klärung von Verwandtschaftsfragen schon etwas einfallen lassen. Tatsächlich sind die Gegner in den Reihen der Abstammungsbegutachter wohl zum großen Teil in einem Verein alteingesessener Blutgruppen-Sachverständiger, der "Interessensgemeinschaft der Sachverständigen für Abstammungsgutachten e.V.", zu finden, die in der Vergangenheit hauptsächlich für Gerichte Gutachten für teures Geld anboten. Diese Gutachter wurden in den vergangenen Jahren mehr und mehr durch deutsche und amerikanische Unternehmen vom Markt verdrängt, die mit deutlich preiswerteren und aussagekräftigeren DNA-Tests heute den Markt bestimmen.

Stiftung Warentest konnte wohl nicht bewogen werden, doch das Magazin Öko-Test stimmte zu: DNA-Vaterschaftstests im ultimativen Öko-Test. Ein Oberprüfer war schnell gefunden: der Gesellschafter und Laborleiter eines privaten Labors für Vaterschaftstests in Köln, Herr Dr. Jürgen Henke. Eine interessante Wahl, ist Dr. Henke doch Laborleiter und Gesellschafter des Instituts für Blutgruppenforschung in Köln, welches Kläger und Unterlegener in dem schon erwähnten Verfahren vor dem Landgericht München war. Daneben ist Herr Dr. Henke auch Vorsitzender der ebenso schon erwähnten "Interessensgemeinschaft der Sachverständigen für Abstammungsgutachten e.V.".

Der Test von elf Laboren, die sich mit Abstammungsbegutachtungen befassen, wurde in der Ausgabe 11/2003 des Magazins veröffentlicht. Hierbei schnitten neun Labore mit "ungenügend" und eines mit "befriedigend" ab. Die Bewertung unseres Labors steht noch aus, da Öko-Test offensichtlich nicht in der Lage war, uns Proben zu einem der getesteten Fälle zukommen zu lassen, obwohl dem Bruder des Chefredakteurs, Herrn Rainer Stellpflug, das Material zur Durchführung des Tests unreklamiert am 06. Oktober 2003 zuging. Bei den getesteten Unternehmen handelte es sich ausnahmslos um Institute, die nicht Mitglieder des oben genannten Vereins sind.

Das Design des heimlichen (und damit doch eigentlich unmoralischen?) Tests war hinterhältig. Chefredakteur Stellpflug gab eine Probe seines jüngeren Bruders als die seines möglichen Vaters aus und schickte diese anonym an die Labore. Da allem Anschein nach, wie dem Testbericht zu entnehmen ist, auf den Hinweis verzichtet wurde, dass ein Verwandter des getesteten Mannes ebenfalls als Vater in Frage kommt (obwohl dies von seriösen Laboren, so auch unserem, abgefragt wird), stand das Ergebnis des Tests von Anfang an fest: Den untersuchten Laboren wurde keine faire Chance eingeräumt.

Eine Vorwegnahme des Ergebnisses bedingten auch die Bewertungskriterien des Tests, wonach allein schon die Annahme des Auftrags zur Abqualifizierung führte. Zur Analyse kamen ausschließlich Proben, die ohne Identitätsprüfung und ohne explizites Einverständnis der Mutter eingereicht wurden. Beides führte dazu, dass ein Labor nicht als "gut" oder "sehr gut" bewertet werden konnte.

Erwartet wurde, dass die Labore feststellen, dass nicht Vater und Sohn sondern zwei anderweitig verwandte Männer zur Untersuchung kamen. Dabei war den Testern oder zumindest Herrn Dr. Henke klar, daß diese Erwartungen nicht erfüllt werden konnten, da die beiden Brüder nur in zwei Systemen kein übereinstimmendes Merkmal besitzen. Dies ist eine Konstellation, die laut den allgemein anerkannten und im übrigen auch in dem Testbericht vielfach zitierten Richtlinien für die Erstattung von Abstammungsgutachten nicht ausreicht, um einen Mann sicher als Vater auszuschließen. Doch selbst der deutliche Hinweis, dass die genannte Wahrscheinlichkeit nur für den Fall gilt, dass kein naher Verwandter als alternativer Vater in Betracht kommt, reichte den Testern nicht aus: Laut Dr. Henke war es eindeutig, dass der Bruder nicht der Vater sein konnte - kein Wunder, er wußte es ja auch schon.

In Anbetracht der Tatsache, dass bei diesem Test ausgerechnet ein Konkurrent der getesteten Unternehmen und erklärter Gegner privater und unbürokratischer Vaterschaftstests zum Richter gemacht wurde, ist der Ausgang des Tests kaum verwunderlich. Der Chefredakteur und Geschäftsführer des Magazins, Jürgen Stellpflug, stand uns für eine Stellungnahme oder ein informelles Gespräch zu diesem Thema leider nicht zur Verfügung. Macht nichts! Entgegen journalistischer Sorgfaltspflicht und branchenüblicher Praxis wurden ja auch keine Stellungnahmen von den getesteten Unternehmen eingeholt oder veröffentlicht.


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